Canonicals Pläne für Indikatoren

In Ubuntu 10.04 hat Canonical ja bereits die sogenannten “Indikatoren”, welche Systemnachrichten dauerhaft verfügbar machen und Statusmeldungen anzeigen, kräftig verbessert.

Die Indikatoren wurde eingeführt, da Ubuntus “notify-osd”-Benachrichtigungen keine Abfragen enthalten dürfen und zudem nach einer gewissen Zeit verschwinden. Die Indikatoren haben die Aufgabe, eben diese flüchtigen Informationen bereit zu halten und Nutzerinteraktion mit betreffenden Anwendungen zu ermöglichen.

Nun will man in Sachen Indikatoren noch einen Schritt weiter gehen. So soll schon die nächste Ubuntuversion tiefgreifende Änderungen am Indikatorsystem enthalten und mit Ubuntu 12.04 LTS soll dann auch dessen API vollständig stabil sein.

Ziele für die Überarbeitung der Indikatoren nennt Mark Shuttleworth auf seiner Website. Diese sind im Wesentlichen folgende, wie er in seinem Blog schreibt: (keine wörtliche Übersetzung!)

  • Unterstützung von GNOME und KDE. Beide Desktops sind wichtig für Ubuntu. Die Teams sollen sich eine einzigartige Vision für jede Oberfläche überlegen, gleichzeitg wollen Nutzer aber auch GNOME Anwendungen unter Kubuntu ausführen und umgekehrt. Also muss sicher gestellt werden, dass die Arbeit von Entwicklern beider Welten begutachtet wird, und wir müssen APIs zu Verfügung stellen, die in beiden Umgebungen laufen.
  • Barrierefreiheit. Indikatoren brauchen besondere Aufmerksamkeit durch den Nutzer. Egal, ob man wissen will ob man mit einem Netz verbunden ist, wie viel Uhr es ist, ob man online ist, ob die Batterie noch voll genug ist oder ob Nachrichten vorliegen… Alle diese Informationen sind wichtig, und es muss sichergestellt sein, dass sie leicht zu erreichen sind.
  • Vertrautheit und Innovationen. Wie immer, gibt es Spannungen zwischen diesen beiden Aspekten. Innovation hilft uns, freie Software weiter vorran zu brigen, birgt aber auch das Risiko, die Nutzergewohnheiten und Erwartungen zu missachten.
  • Konsistenz und Nutzbarkeit. Wir möchten das Projekt als Ganzes besser benutzbar machen, und wir wollen auch auf Individualität verzichten, wenn es sinnvoll ist und den Gesamtwert des Projektes zu steigert. (Das bedeutet wohl, dass das Indikatorsystem auch in anderen Distributionen möglichst als Standard eingesetzt werden soll)
  • Rationalisierung. Aktuell gibt es zu viele Indikatoren, die in ihrer Bedeutung nicht immer klar sind. Es gibt auch viele Indikatoren von anderen Anwendungen, die meistens alle das gleiche tun, nur auf verschiedene Art. Der Wert aller Indikatoren wird erhöht, wenn es weniger davon gibt und sie für den Nutzer verständlicher sind.

Insgesamt finde ich die Bemühungen von Canonical sehr löblich. Allerdings lösen sie – mal wieder – ein meiner Meinung nach nicht existierendes Problem. Mal ernsthaft: Wer war schon mal über zu viele Symbole im Tray verwirrt? Und würden solche Indikatoren – sollte man mal mit den Trayicons durcheinander kommen – dieses Problem wirklich lösen? Anstelle von mehreren Symbolen müsste man sich im Indikator durch ein umständliches Menü bewegen.

Sehr gute Ansätze finde ich hingegen im Konzept, über einen Indikator schnell (E-Mail) Nachrichten schreiben zu können, obwohl das eigentliche Programm, welches diese Aufgabe erledigen soll, nicht läuft. Diese Möglichkeit, mittels DBus-Aktivierung Anwendungen nach Bedarf und nach Aktivität zu aktivieren gefällt mir sehr. Auch dass der XDG-Standard “DBus-Menu” von KDE verwendet wird, ist eine sinnvolle Sache.

Trotzdem stellt sich mir die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines solchen Projektes: Mit GNOME3 gibt es ein völlig neues Bedienkonzept und ein völlig neues Benachrichtigungssystem. Warum sollte man jetzt bei Ubuntu mit noch einem Weiteren beginnen? Zum Anderen ist da noch die Sache mit der KDE-Integration: Es ist toll, dass Ubuntu etwas für die Interoperabilität beider Oberflächen tun will – jedoch hat KDE bereits ein Nachrichtensystem, welches IMO sehr nahe am Optimum liegt. Und Canonical ist schon einmal damit gescheitert, Patches für KDE-Anwendungen in Upstream zu integrieren, um das eigene System zu aktivieren. Zudem wird es auch mit GNOME3 schwierig, die Patches nach Unpstream zu bringen, falls sich die GNOME-Entwickler tatsächlich auf das neue Panel-Konzept einigen.

Ich bin mal gespannt, was aus dem Projekt wird… Allgemein würde ich aber sagen, dass es besser gewesen wäre, sich mit den GNOME3-Entwicklern und KDE-Entwicklern an einen Tisch zu setzen und gemeinsam unter dem Dach von Freedesktop einen Standard zu entwickeln. Denn so trägt dieses Projekt, welches eigentlich eine Art “Einheit” in der Linuxwelt zum Ziel hat, doch nur zur weiteren Fragmentierung bei.

Quelle: Mark Shuttleworths Blog

7 Comments

  • Immanuel commented on 23. April 2010 Reply

    “Mal ernsthaft: Wer war schon mal über zu viele Symbole im Tray verwirrt? Und würden solche Indikatoren – sollte man mal mit den Trayicons durcheinander kommen – dieses Problem wirklich lösen? Anstelle von mehreren Symbolen müsste man sich im Indikator durch ein umständliches Menü bewegen.”

    Die Symbole im Tray sind meiner Meinung nach keineswegs verwirrend, aber etwas durcheinander wirkt es schon. Vor allem kocht jeder Entwickler sein eigenes Süppchen. Bei Programm A wird dieses mit Klick auf das Tray-Icon eingeblendet, bei Programm B erscheint allerdings ein Kontextmenü und bei Programm C geschieht vielleicht garnichts.

    Menüs würden das konsistenter und besser geordnet machen.

    Bei dem Rest kann ich dir größtenteils zustimmen.

  • Christoph commented on 23. April 2010 Reply

    Gerade JETZT ist die Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Was nützt es nach den ersten Releases von GNOME daher zu kommen und “ähhh, hallo Jungs, ich hab hier das ganz dolle und spannende Konzept, wollt ihr das noch einbauen” zu sagen? Neue Ideen und Konzepte müssen entstehen BEVOR die Weichen für GNOME 3 gestellt wurden.

  • mw88 commented on 23. April 2010 Reply

    Meiner Meinung nach hat das Gnome-Panel einiges an verschwendeten Potential.
    Leider wird in Gnome3 dieses nicht weiter ausgebaut, stattdessen setzt man auf ein neues Konzept, was anscheinend nicht so flexibel zu sein scheint (oder ich stell mich zu blöd an).

    Von daher finde ich es schon gut, wenn sich jemand Gedanken macht, wie man die ganze Sache schöner gestalten kann. Schade finde ich, dass diese Notifications noch nicht für die Uhrzeit umgesetzt wurden, die liegt nun ein bisschen wie ein Fremdkörper im Tray.

    MFG
    MW

  • linux4ever commented on 26. April 2010 Reply

    Freundlicher Tipp: Jeder Blog braucht ein Impressum!!!

    • Ximion commented on 26. April 2010 Reply

      Kommt alles 🙂 Dieses Blog ist eigentlich teil einer größeren Seite, die selbst ein Impressum hat, welches auch für dieses Blog gilt – aber im Moment gibt es einiges an Umbauarbeiten, am Ende wird auch der Blog hier gründlich renoviert und bekommt wahrscheinlich ein eigenes Impressum oder aber einen Link auf die Hauptseite spendiert.

  • spiderman black costumes commented on 13. August 2010 Reply

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